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Startseite»Nachrichten»Unterstützung mit Grenzen: Steuererklärung fällig? Wie hilfreich KI dabei wirklich ist
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Unterstützung mit Grenzen: Steuererklärung fällig? Wie hilfreich KI dabei wirklich ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Unterstützung mit GrenzenSteuererklärung fällig? Wie hilfreich KI dabei wirklich ist

Kann einiges, aber vieles auch nicht: Wer KI wie ChatGPT zur Unterstützung bei der Steuererklärung einsetzt, sollte immer besser sorgsam prüfen, ob deren Informationen auch stimmen.

Belege-Chaos, Fachchinesisch? Wer beim Steuermarathon ins Stolpern gerät, fragt womöglich KI um Hilfe. Dann sollte aber klar sein, was die Maschine kann – und wo sie schnell an Grenzen stößt.

Für viele Menschen gehört sie zu den unbeliebtesten Aufgaben des Jahres: die Erstellung der Steuererklärung. Schon im Vorfeld sind Belege zu sammeln und zu sortieren, später Formulare zu wälzen und steuerliche Fachbegriffe zu verstehen – all das kostet Zeit und Nerven, wenn man nicht gerade einen Profi damit beauftragt.

Doch im Zeitalter digitaler Helferlein sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler ja gar nicht ganz auf sich allein gestellt. Manch einer hat womöglich schon mal Künstliche Intelligenz (KI) als eine Art persönliche Assistenz oder steuerlicher Berater genutzt. Das kann gutgehen – muss es aber nicht. Eine Übersicht, was KI im Rahmen der Steuererklärung leisten kann und woran es ihr (bislang) mangelt.

Was KI leisten kann

1. Fachbegriffe erklären

Bei vielen alltäglichen Fragen rund um die Steuererklärung kann KI eine praktische Unterstützung sein. Haben Sie etwa keine Ahnung, was sich hinter Begriffen wie „Werbungskosten“, „außergewöhnlichen Belastungen“ oder „haushaltsnahen Dienstleistungen“ verbirgt? Dann können viele gängige KI-Systeme das schnell in verständlicher Sprache erklären.

„Gerade für Einsteiger kann KI eine gute erste Orientierung bieten“, sagt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. Immerhin scheiterten viele bei der Steuererklärung gar nicht unbedingt an den Zahlen, als vielmehr an der behördlichen Fachsprache.

Zudem machten die vielen Zeilen und Abfragen der Steuerformulare das Ausfüllen „extrem unhandlich und schwer verständlich“, sagt der Steuerberater Prof. Rainer Bräutigam von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach. „Hier kann KI konkret gefragt werden, welche Tatbestände in welche Zeile gehören.“

2. Mögliche Steuerabzüge erkennen

Was ist steuerlich überhaupt alles relevant? Vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern ist das gar nicht unbedingt bewusst. Laut dem Bund der Steuerzahler könnten Interessierte KI daher einfach mal fragen, welche Kosten etwa ein Angestellter steuerlich geltend machen kann. So bekomme man häufig Hinweise auf gängige Kostenarten wie Fahrtkosten, Fortbildungen oder Arbeitsmittel. Das könne Steuerzahler dazu bringen, die eigenen Ausgaben genauer zu prüfen.

Wer es genauer wissen möchte, muss seinen eigenen Steuerfall und etwaige Tätigkeiten konkreter beschreiben. Wer zum Beispiel zuhauf Gegenstände über Onlineplattformen veräußert, könnte Prof. Bräutigam zufolge unter Umständen auch den Hinweis darauf erhalten, dass diese Verkäufe in der Steuererklärung angegeben werden sollten.

3. Struktur in die Vorbereitung bringen

Ein weiterer Nutzen: „KI kann Struktur in die Vorbereitung bringen“, teilt der Bund der Steuerzahler mit. Mit einem entsprechenden Prompt (Aufforderung an die KI) könnten viele Systeme Checklisten mit typischen Unterlagen erstellen, die für die Erstellung der Erklärung benötigt werden – von der Lohnsteuerbescheinigung über Spendenquittungen und Handwerkerrechnungen bis hin zur Nebenkostenabrechnung. Das kann helfen, die wichtigen Unterlagen frühzeitig parat zu haben.

4. Bei der Interpretation von Steuerbescheiden helfen

Ist die Steuererklärung erst einmal eingereicht, flattert meist einige Wochen später der Steuerbescheid in den Briefkasten oder in das digitale Postfach. Neben vielen Zahlen und Berechnungen erklären Finanzbeamte in dem Dokument oft auch ausführlich, warum und inwiefern sie von den in der Steuererklärung angegebenen Daten abgewichen sind. „Da die verwendete Sprache und auch der Text hier nur schwer verständlich sind, kann auch hier KI sehr stark helfen“, sagt Prof. Rainer Bräutigam.

Aber Achtung: Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sollten hier aus Datenschutzgründen Vorsicht walten lassen. Den gesamten Steuerbescheid hochzuladen und analysieren zu lassen, ist keine gute Idee. Besser: unverständliche Textpassagen einzeln eingeben.

Was KI nicht leisten kann

1. Über aktuelle steuerliche Regeln informieren

KI ist um keine Antwort verlegen, sie scheint allwissend zu sein. „Das Problem ist, dass KI nicht immer richtig liegt“, sagt Prof. Martin Jacob von der IESE Business School. In einer aktuellen Studie hat Jacob Steuerfragen von einer KI beantworten lassen – für mehr als 40 Länder und deren unterschiedliche Gesetzgebung. Das Ergebnis war ernüchternd. KI hilft nicht zuverlässig dabei, zu ermitteln, ob bestimmte Ausgaben steuerlich abzugsfähig sind oder nicht.

Prof. Jacob rät darum zu Vorsicht, wenn KI mit der Beantwortung von Rechtsfragen betraut wird. Zwar würden die Maschinen besser. Blindes Vertrauen könnte aber schnell gefährlich werden – zum Beispiel, wenn fehlerhafte Eingaben gemacht werden. „KI wird nicht für eine falsche Rechtsberatung haften“, sagt der Professor für Rechnungswesen und Controlling. Dafür stehen am Ende Steuerzahlerinnen und Steuerzahler gerade.

Prof. Rainer Bräutigam rät darum – wenn überhaupt – zu Modellen, die mit spezialisiertem Steuerwissen trainiert wurden, statt zu KI ohne eine solche Spezialisierung. Solche Systeme, wie sie etwa in manchen Steuerprogrammen zum Einsatz kommen, könnten besser auf rechtliche Änderungen reagieren als etwa ChatGPT.

2. Belege sammeln

Selbst wenn KI zuverlässig Antworten auf sämtliche Steuerfragen geben könnte, wird sie eines nicht können: Ordnung in den physischen Ablagestapel von Belegen und Unterlagen bringen. „Eine gute und saubere Buchführung wird immer weiterhin relevant sein“, sagt Prof. Martin Jacob. Immerhin müssen Verbraucherinnen und Verbraucher ihre in der Steuererklärung gemachten Angaben spätestens auf Nachfrage des Finanzamts nachweisen können – und sollten dann nicht erst ewig suchen müssen.

3. Ganze Dokumente analysieren

Steuerinformationen gehören mit zu den sensibelsten persönlichen Daten. Darum sollten Nutzerinnen und Nutzer von KI unbedingt darauf achten, keine Steuer-ID oder Kontodaten bei ihren Eingaben preiszugeben, rät der Bund der Steuerzahler. Vollständige Steuerunterlagen etwa zur Analyse oder Unterstützung in eine Maschine einzugeben, ist darum absolut tabu. Zu groß ist die Gefahr, dass die Daten so abfließen und in falsche Hände geraten.

4. Professionelle Beratung schlagen

KI ersetzt – unter anderem auch aus den bereits genannten Gründen – keine professionelle Beratung. Insbesondere bei komplexeren steuerlichen Sachverhalten – etwa bei Vermietung, Selbstständigkeit oder internationalen Einkünften – sollten darum weiterhin besser Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereine unterstützen.

„Man darf auch nicht vergessen, dass die Steuerbehörden auch KI zur Erkennung von Falschangaben einsetzen, beziehungsweise vermehrt nutzen werden“, sagt Prof. Martin Jacob. Das Risiko also, mit seinen möglicherweise durch KI-Unterstützung erlangten, fehlerhaften Angaben entlarvt zu werden, steige in den kommenden Jahren weiter an.

Quelle: ntv.de, awi/dpa

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