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Politik

Warum Apple die Einführung von Siri AI in der EU verschiebt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.06.2026 • 12:37 Uhr

Der KI-Assistent Siri AI auf iPhones sorgt für Streit zwischen Apple und der EU-Kommission. Während die Kommission von nicht erfüllten Anforderungen spricht, macht der Konzern Sicherheitsbedenken geltend.

Nach den Plänen von Apple soll der neue mit Künstlicher Intelligenz gesteuerte Sprachassistent Siri AI fest in den Alltag von Nutzern eingebettet sein. Er soll E-Mails oder Textnachrichten kennen, Unterhaltungen verstehen und auch Kontakte richtig zuordnen können. Das Ziel von des kalifornischen Konzerns: Siri AI soll nicht mehr bloß ein Sprachassistent sein, sondern andere KI-Dienste übertreffen.

iPhone-Nutzer in der EU werden das allerdings erstmal nicht testen können. Denn der US-Konzern verschiebt die Einführung seines neuen KI-Assistenten Siri AI in der Europäischen Union. Zwischen dem US-Konzern und der Europäischen Kommission ist erneut ein Streit über die Digitalregeln der EU entbrannt.

Besondere Marktmacht des Konzerns

Konkret geht es um die Einführung von Siri AI auf iPhones und iPads. Das EU-Gesetz für digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) sieht vor, dass Apple sein Betriebssystem für andere Anbieter öffnen muss. Das Gesetz schreibt unter anderem vor, dass als „Gatekeeper“ eingestufte Unternehmen – also solche mit besonderer Marktmacht – Konkurrenten den gleichen Zugang zu ihren Plattformen bieten müssen wie ihren eigenen Diensten.

Das EU-Gesetz, dass Ende des Jahres 2021 in Kraft getreten ist, soll die Marktmacht großer Technologiekonzerne einschränken und für mehr Wettbewerb sorgen. Es verpflichtet „Gatekeeper“ unter anderen, Endnutzern die Möglichkeit zu geben, zwischen verschiedenen Softwareanwendungen und Diensten, zu wechseln und diese zu abonnieren. Außerdem muss es technisch möglich sein, Drittanbietersoftware auf einfache Weise zu installieren. Bei Verstößen gegen den DMA drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Die Folge des Gesetzes: Siri AI darf nicht der einzige KI-Assistent sein, der auf iPhones läuft. Die Vorgabe läuft Apples Geschäftsmodell zuwider, das auf enge Verbindungen zwischen allen Apple-Geräten und digitalen Diensten des Konzerns setzt. Bei Mac-Computern und der Computer-Brille Vision Pro ist die Einstufung der EU eine andere: Hier wird Apple nicht als Gatekeeper betrachtet. Deshalb wird der Konzern auf diesen Geräten Siri AI auch für europäische Nutzer zur Verfügung stellen.

Zugriff auf persönliche Daten

Apple sträubt sich dagegen, auf iPhones und iPads auch die KI-Dienste anderer Unternehmen zuzulassen. Der Konzern wirft der EU-Kommission vor, mit Forderungen nach einer vollständigen Öffnung seiner iPhones und iPads für KI-Assistenten anderer Anbieter die Privatsphäre der europäischen Nutzer zu gefährden.

Virtuelle KI-Assistenten bräuchten einen beispiellosen Zugriff auf persönliche Daten der Nutzer – den man dann auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen müsste. Apple argumentiert dabei, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst dabei keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme.

„Bedenken komplett zurückgewiesen“

Man habe der Kommission die Risiken eines „wirklich uneingeschränkten“ Zugangs von Assistenten anderer Anbieter zum gesamten Betriebssystem und allen Informationen erklärt, sagte Marketingchef Greg Jozwiak. „Aber sie haben unsere Bedenken komplett zurückgewiesen.“ Die EU-Kommission verlange ein riskantes Experiment mit Millionen von Kunden, sagte Apple-Marketingchef Greg Joswiak.

Man habe der Kommission mehrere Lösungsvorschläge gemacht, Brüssel habe aber „keinen einzigen“ davon angenommen. Ein Apple-Vorschlag: Die KI-Modelle anderer Anbieter dürfen zwar Anfragen der Nutzer nach einem ähnlichen Muster erfüllen wie die Siri AI – erhalten aber keinen Zugriff auf die persönlichen Daten der Nutzer.

Brüssel will keine Ausnahme für Apple

Davon hielt die EU-Kommission nichts: Ein Kommissionssprecher sagte, Apple sei „schlicht nicht in der Lage“ gewesen, einen geeigneten Vorschlag vorzulegen. Stattdessen habe der Konzern die Kommission um eine mindestens eineinhalbjährige Ausnahme von den Regeln gebeten. „Das ist keine Option, denn es würde bedeuten, dass kein anderer KI-Assistent als Siri – der übrigens von Google betrieben wird – die gleiche Chance hätte, von iPhone-Nutzern ausgewählt zu werden“, sagte der Sprecher und fügte an: „EU-Recht ist nicht verhandelbar.“

Die Entscheidung, wann und ob der KI-Assistent in der Europäischen Union eingeführt wird, liege allein bei dem US-Konzern, erklärte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. „Absolut nichts“ verbiete Apple, in der EU neue Produkte einzuführen, sagte der Sprecher, solange Apple in der Lage sei, Lösungen zu entwickeln, die den EU-Standards für Datenschutz und Sicherheit entsprächen.

Jahrelange Streitigkeiten

Siri AI ist aktuell nicht die einzige Neuerung bei Apple, deren Einführung in der EU sich aufgrund europäischer Gesetze verzögert. Weitere Funktionen wie die Spiegelung des iPhone-Bildschirms auf Mac-Computern und die Live-Übersetzung bei AirPods werden in der EU ebenfalls erstmal nicht zugänglich sein.

Apple streitet seit Jahren mit der Kommission über die EU-Regeln. Im vergangenen Jahr verhängte Brüssel eine Strafe in Höhe von 500 Millionen Euro gegen den US-Konzern. Apple zog dagegen vor Gericht und forderte einige Monate später, das Gesetz für digitale Märkte komplett abzuschaffen.

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