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Startseite»Nachrichten»Wundertüte Trainerauswahl: Warum der englische Fußball irritiert über unsere Erfolgscoachs spottet
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Wundertüte Trainerauswahl: Warum der englische Fußball irritiert über unsere Erfolgscoachs spottet

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 4, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Wundertüte TrainerauswahlWarum der englische Fußball irritiert über unsere Erfolgscoachs spottet

04.05.2026, 20:24 Uhr Von Ben Redelings
Jack-Cork-of-Burnley-and-Vincent-Kompany-Manager-of-Burnley-FC-react-after-their-sides-loss-and-Premier-League-relegation-after-the-Premier-League-football-match-between-Burnley-FC-and-Nottingham-Forest-at-Turf-Moor-in-Burnley-England
Dieses Bild zeigt einen der besten Trainer der Welt in einem Moment im Mai 2024, in dem eine Welt für ihn zerbricht. Sein Spieler Jack Cork ist vor Schmerz nahezu besinnungslos. Vincent Kompany fühlt das. (Foto: IMAGO/Sports Press Photo)

Mit Bayerns Vincent Kompany und Schalkes Miron Muslić stehen aktuell zwei Trainer im Fokus, die etwas vereint: Beide sind vor ihrem Engagement in Deutschland in England gerade frisch abgestiegen gewesen. Nun verbindet sie auch noch der Erfolg – und ein ganz spezieller Spott aus England.

Unsere englischen Fußballfreunde, so wird berichtet, haben sich spätestes nach dem Aufstieg des FC Schalke 04 am späten Samstagabend irritiert die Augen gerieben. Denn schon länger kursiert dort der Spott, dass man erst in England absteigen muss, um in Deutschland erfolgreich an der Seitenlinie einen Fußballklub führen zu können. Siehe Vincent Kompany, der mit dem FC Burnley schmerzhaft die Premier League verlassen musste, um danach mit dem FC Bayern München zu Höhenflügen aufsteigen zu können. Und aktuell Miron Muslić, den der FC Schalke 04 vor der Saison von Plymouth Argyle holte, die zuvor mit dem Mann aus Bosnien und Herzegowina aus der zweiten Liga abgestiegen waren.

Man kann es nicht anders sagen: Schalkes Sportdirektor Frank Baumann ist direkt nach seinem Einstieg auf Schalke komplett ins Risiko gegangen. Einen in Deutschland namenlosen Trainer eines zukünftigen Drittligisten zu holen und dann auch noch 700.000 Euro Ablöse zu bezahlen – nicht wenige Schalker haben damals ihren eigenen Klub nun für vollends verrückt erklärt. Doch wer sollte es ihnen nicht nachsehen. Schließlich hatten sich seit dem Jahr 2000 bereits acht sehr unterschiedliche Trainertypen mit ebenfalls sehr unterschiedlichen (Erfolgs-)Geschichten beim Verein aus dem Herzen des Ruhrgebiets vorgestellt.

In einer anderen Welt wurde Kompany nicht Bayern-Trainer

Alleine die Liste dieser Namen (David Wagner, Manuel Baum, Christian Gross, Dimitrios Grammozis, Frank Kramer, Thomas Reis, Karel Geraerts, Kees van Wonderen) lässt erahnen, wie chaosreich und, wenn man es mal so offen sagen wollte, planlos die Neuanstellungen der Übungsleiter ganz offensichtlich gelaufen sein mögen. Und nun drückte Frank Baumann quasi als erste Amtshandlung diesen Miron Muslić gegen alle Widerstände im Umfeld des Klubs durch. Wie wir heute wissen, war es ein Glücksgriff. Doch seien wir ehrlich: Das hätte auch ganz anders laufen können! Und dann hätte man nicht nur den Trainer, sondern auch den neuen Sportdirektor wieder ganz schnell vom Hof gejagt.

Nun feiert man sich auf Schalke völlig zurecht für seinen Coach, der noch vor einem Jahr nach dem Abstieg seines Klubs wahrscheinlich selbst nicht an eine solche Erfolgsgeschichte geglaubt hätte. Doch so ist der Fußball! Das haben sie in München vor knapp zwei Jahren, nach all den Absagen und Irrungen und Wirrungen bei der Trainersuche, auch erfahren müssen. Max Eberl hat zwar mittlerweile gemeint, er hätte Vincent Kompany insgeheim schon immer viel weiter in seinem Kopf vorne gehabt, als das öffentlich rübergekommen wäre, doch auch hier muss man im Nachhinein von einem Glücksgriff und glücklichen Umständen sprechen. Das hätte auch ganz anders laufen können – vor allem in der Entstehung. Hätte ein anderer Kandidat zugesagt, wäre es nie zu Kompany als Bayern-Coach gekommen.

Als Skoblar einen Fliegenfänger anschleppte

Doch das Muster, das ein Sportdirektor gerne einmal zu einer Trainer-Wahl greift, die überrascht und aneckt, ist so neu nicht. Als Felix Magath als Nachfolger von Günter Netzer Manager beim Hamburger SV wurde, verpflichtete er beispielsweise zur Verwunderung aller zur Spielzeit 1987/88 mit dem Jugoslawen Josip Skoblar einen früheren Torschützenkönig, der jedoch als Trainer noch keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hatte. Tatsächlich ging das Abenteuer tüchtig in die Hose.

Und das lag auch daran, dass mit dem neuen HSV-Trainer auch der neue Torhüter Mladen Pralija in die Hansestadt kam. Ein „Fliegenfänger“ vor dem Herrn, wie die Fans ihn schnell bezeichneten. Trotz eines 5:1-Siegs gegen Kaiserslautern war damals der Trainer des kommenden Gegners im Europapokal, Michel Clement von Avenir Beggen aus Luxemburg, entsetzt: „Gegen uns mag es mit dem Torwart noch gehen. Wenn der HSV aber die nächste Runde erreichen sollte, werden sie mit dem Jungen Schwierigkeiten bekommen. Ich kann nicht verstehen, dass ein Spitzenklub wie der HSV auf so einen schlimmen Torwart setzen kann.“ Und Paul Breitner rang nach dem Spiel seiner Bayern gegen die Hamburger sogar richtig um Fassung: „Kein Wunder, dass dem Jakobs die Muffe geht. Mit dieser Praline im Tor spielt kein Abwehrrecke sicher.“

Was die Eintracht von Felix Magath lernen kann

Felix Magath erkannte damals schnell, dass er sich mit seiner risikoreichen Doppel-Verpflichtung von Trainer Josip Skoblar und Torhüter Mladen Pralija ein klassisches Eigentor geschossen hatte. Denn anders als erhofft, hatte er mit den beiden Überraschungstransfers ins Klo gegriffen und musste schauen, dass diese Verpflichtungen nicht auch seine Zeit beim Hamburger SV schnell beenden würde. Und so wurde Skoblar bereits am 9. November 1987 schon wieder entlassen.

Kein Wunder, würden die Engländer wohl sagen, schließlich hatte der Jugoslawe zu diesem Zeitpunkt auch noch keinen Abstieg in England hinter sich. Genau wie übrigens auch Albert Riera von Eintracht Frankfurt nicht. Manager Markus Krösche war beim Nachfolger von Dino Toppmöller, genau wie Baumann, Eberl und Magath, ins volle Risiko gegangen. Dieser Plan, das kann man wohl jetzt schon sagen, ist gescheitert.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit (und der Eitelkeit) bis Krösche diesen Fehler zugibt und Riera entlässt. Vielleicht schaut er sich ja dann auch einmal ganz gezielt in England um. Da wird sicherlich noch der eine oder andere frisch abgestiegene Trainer rumlaufen, dessen Verpflichtung in Deutschland eine echte Überraschung wäre. Den Spott der Engländer haben wir nun ja eh schon.

Quelle: ntv.de

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