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Politik

Wurden die Betriebsratswahlen am Frankfurter Flughafen manipuliert?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 25.06.2026 • 12:24 Uhr

Bei der Fraport AG kursiert nach den Betriebsratswahlen ein schwerwiegender Vorwurf in der Belegschaft: Wahlmanipulation. Ein nun aufgetauchter Müllsack wirft Fragen auf – er soll entsorgte Stimmzettel enthalten.

Von Lukas Wiehler und Oliver Günther, HR

Die Betriebsratswahl im Mai 2026 bei der Fraport AG, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, sollte eigentlich ein Neuanfang sein und endlich rechtssichere Verhältnisse bringen. Fünf Mal wurden die Wahlen seit 2020 wiederholt, jedes Mal gerichtlich angefochten und schließlich für ungültig erklärt.

Doch auch die jüngste Wahl landet nun vor dem Arbeitsgericht. An Pfingsten waren rund 13.000 Beschäftigte der Fraport und ihrer Töchterfirmen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Jetzt wird diese Wahl wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Wahlrecht angefochten. Für den ehemaligen Betriebsrat Hakan Cicek ist klar: „Das ist eine Wahl, die manipuliert worden ist.“

Ein Müllsack mit vermeintlich entsorgten Wahlzettel

Am letzten Wahltag, dem Pfingstsonntag, sollen Mitarbeiter der Fraport AG kurz nach Schließung der Wahllokale einen Plastiksack mit geschredderten Zetteln gefunden haben. Nach eigenen Angaben folgten sie einem anonymen Hinweis bis zu einem Papiercontainer neben dem Konzernsitz.

Der Hessische Rundfunk konnte den Sack samt geschredderten Zettel exklusiv einsehen und bestätigten: Die Zettel stimmen optisch mit dem Wahlschein überein. Deutlich zu erkennen sind auch auf dem zerschnittenen Papier angekreuzte Kästchen, die nahelegen, es könne sich um abgegebene Stimmen handeln.

Obwohl zum Zeitpunkt des Fundes die Stimmauszählung schon begonnen hatte, gilt es als ausgeschlossen, dass es sich um bereits ausgezählte Stimmen handelt, denn abgegebene Wahlzettel müssen laut Gesetz bis zur nächsten Wahl aufbewahrt und unter Verschluss bleiben. Wie der Müllsack in den Container kam, wer dafür verantwortlich ist und ob es sich tatsächlich um entwendete Stimmzettel handelt, bleibt offen.

Immer wieder Ungereimtheiten bei Betriebsratswahlen

Bereits 2024 führte ver.di zur damaligen Betriebsratswahl eine Nachwahlbefragung durch, weil die Gewerkschaft erhebliche Zweifel am offiziellen Wahlergebnis hatte. Die Befragungsergebnisse von damals liegen dem Hessischen Rundfunk vor. Bei der Befragung erhielten ver.di und die GÖD doppelt so viele Stimmen wie offiziell im Wahlergebnis bekannt gegeben.

Die Gewerkschaften sehen darin ein starkes Indiz für Manipulation, denn die Nachwahlbefragung, bei der Wählerinnen und Wähler freiwillig angeben sollten, für wen sie tatsächlich gestimmt hatten, war per eidesstattlicher Erklärung abgesichert – Falschangaben wären also strafbar gewesen.

Eine weitere Betriebsratswahl im November 2025 wurde kurzfristig gerichtlich gestoppt, wegen gravierender Regelverstöße.

Vorwürfe gegen den Wahlvorstand 2026

Aus der Belegschaft des Frankfurter Flughafens regt sich seit Längerem immer lauterer Widerstand gegen den aktuellen Wahlvorstand. Das Gremium, das von den amtierenden Betriebsräten entsandt wird, soll Betriebsratswahlen eigentlich neutral und ordnungsgemäß durchführen, doch an dieser Unparteilichkeit gibt es Zweifel.

So wurden die jüngsten Wahlen nicht wie früher üblich auf eine Werktagswoche von Montag bis Freitag gelegt, sondern auf das Pfingstwochenende von Donnerstagabend bis Sonntagmittag. Eine Zeit, in der viele Bürokräfte im Homeoffice oder im Urlaub sind.

Für Verwaltungsangestellte wie Ralf Przyrembel, der als Kapazitätsanalyst in der Fraport-Zentrale arbeitet, sei es dadurch kaum möglich gewesen, seine Stimme abzugeben: „Für administrativ Beschäftigte wie mich standen sehr wenig Wahllokale und Wahltage zur Verfügung, faktisch nur der Freitag vor Pfingsten. Es gab auch noch die Möglichkeit, am Pfingstsonntag zu wählen, aber da war von den Administrativen niemand da und das ist sehr ungünstig.“

Für Bürokräfte, die meist keinen Zugang zum Sicherheitsgelände haben, standen in diesem Jahr zudem nur noch zwei Wahllokale zur Verfügung – statt der früher üblichen sechs. Und auch diese seien an ungünstigen Orten platziert worden, so Przyrembel. „Da kommt bei mir schon der Verdacht auf, dass das absichtlich gemacht wurde – um Administrative eventuell an der Wahl zu hindern oder es zumindest für sie unattraktiv zu machen.“

Wahlvorstand äußert sich auf Anfrage nicht

Zu den Vorwürfen und den gefundenen Zetteln haben sich weder die vom Hessischen Rundfunk angefragten Betriebsräte noch der Wahlvorstand geäußert. Ex-Betriebsrat Cicek will nun gerichtlich die Rechtmäßigkeit der Wahl überprüfen lassen. Er sieht noch weitere Mängel: Briefwahlunterlagen seien aus Briefkästen entwendbar gewesen, und Wahlurnen seien nachts nicht wie früher üblich vom Sicherheitsdienst versiegelt, eingesperrt und bewacht worden.

Zudem habe der Betriebsrat abgelehnt, viele kleinere Wahllisten mit einem Repräsentanten im erweiterten Wahlvorstand zu vertreten. Ein breiter aufgestellter Wahlvorstand hätte laut Cicek das Vertrauen in die Wahl gestärkt.

Atmosphäre des Misstrauens

Der Frankfurter Arbeitsrechtler Peter Wedde verfolgt den Streit um die Betriebsratswahlen bei Fraport seit Längerem. Bei den vorangegangenen Wahlen sei vieles schiefgelaufen, stellt auch Wedde fest: „Und gerade dann sollte man darauf achten, dass der Wahlvorstand oberkorrekt handelt und jeden Anschein von Befangenheit, von Nicht-Neutralität vermeidet.“ Genau das habe der Wahlvorstand 2026 in Teilen versäumt.

Währenddessen beschweren sich manche Beschäftigte ganz grundsätzlich über den aktuellen Betriebsrat: Dieser sei kaum bekannt, oft im Homeoffice und schlecht zu erreichen, sagt Frachtfahrer Stefan Heinisch. „Das Vertrauen in den Betriebsrat ist nicht gegeben, viele fühlen sich im Stich gelassen. Es ist erniedrigend, denn entweder stehe ich als Betriebsrat für alle ein oder für keinen.“

Zoff über den Betriebsrat schadet Image des Frankfurter Flughafens

Unterdessen zeigt sich die Fraport-Geschäftsführung im Streit um die Wahl zurückhaltend. Zu Recht, so Arbeitsrechtler Wedde. Denn die Geschäftsleitung darf sich nicht in Betriebsratswahlen einmischen. „Das wäre ein Eingriff in die Unabhängigkeit der Wahlen.“ Gleichzeitig ist er sich sicher, „dass es dem Konzern Fraport überhaupt nicht recht ist, was da passiert“.

Der Dauerzoff um die Betriebsratswahlen sei ein „Imageschaden“, so Wedde. Er selbst werde überall in Deutschland darauf angesprochen: „Du kommst doch aus dem Frankfurter Raum. Weißt du, was am Flughafen vor sich geht?“

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