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Ukraine-Oligarchen im Luxus-Exil: Die goldenen Zeiten des „Monaco-Bataillons“ sind vorbei

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Ukraine-Oligarchen im Luxus-ExilDie goldenen Zeiten des „Monaco-Bataillons“ sind vorbei

17.07.2026, 19:28 Uhr Von Uladzimir Zhyhachou
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Reiche Ukrainer aus dem „Monaco-Bataillon“ werden in ihrer Heimat oft heftig kritisiert. (Foto: picture alliance / Hans Lucas)

Während Russland in den ersten Kriegsmonaten ihre Heimat in Schutt und Asche legt, protzen zahlreiche ukrainische Oligarchen an der Côte d’Azur mit Luxusautos, Jachten und Villen. Inzwischen ist das Leben an der Riviera weniger sorglos. Das hat nicht nur mit dem Anschlag auf einen ukrainischen Unternehmer zu tun.

Es ist eine Geschichte wie aus einem Mafia-Film: Ende Juni explodiert in Monaco eine Bombe vor der Haustür des ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew. Er, seine Partnerin und ihr 13-jähriger Sohn werden schwer verletzt, der Frau müssen beide Beine amputiert werden.

Als mutmaßliche Täterin identifizieren die Behörden eine 39-jährige Ukrainerin, die seit Jahren in Deutschland lebt; Interpol schreibt sie zur Fahndung aus. Eine Woche später wird sie gefunden – in der Nähe von Kiew, mit Schusswunden im Kopf, tot. Die ukrainische Polizei nimmt zwei Männer fest – einen Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR und einen ehemaligen Angehörigen der Sicherheitskräfte.

Der HUR-Mann gesteht, die Frau getötet zu haben, die Ermittler gehen zudem davon aus, dass die beiden auch den Anschlag auf Jermolajew organisiert haben, den die Frau dann durchführte. Der Mitarbeiter des Militärgeheimdienstes behauptet, auf eigene Faust und ohne Wissen seiner Vorgesetzten gehandelt zu haben. Der Oligarch selbst glaubt jedoch, das Attentat auf ihn sei keine Privatangelegenheit, sondern eine gezielte Operation ukrainischer Geheimdienstler.

Ob der ukrainische Militärgeheimdienst wirklich hinter dem Anschlag auf Jermolajew steckt oder es sich um eine persönliche Fehde im Umfeld organisierter Kriminalität handelt, ist noch offen. Fest steht: In seiner Heimat ist Jermolajew höchst umstritten. Der Unternehmer, der die ukrainische Staatsbürgerschaft bereits 2019 ablegte und heute zyprischer Staatsbürger ist, gehörte jahrelang zu den reichsten Menschen der Ukraine. In ukrainischen Medien gilt er als exemplarische Figur des sogenannten Monaco-Bataillons: jener Oligarchen und Superreichen, die sich nach Beginn des russischen Angriffskriegs oder kurz davor an die Côte d’Azur absetzten und denen vorgeworfen wird, dem Land in der Stunde der existenziellen Bedrohung den Rücken gekehrt zu haben. Vor dem Hintergrund des blutigen Attentats in dem eigentlich sehr sicheren Fürstentum gerät das „Bataillon“ wieder ins Rampenlicht.

„Elite-Flüchtlinge“

Geprägt hat den Begriff der Journalist Mychajlo Tkatsch, der im August 2022 mit einer Reportage für die „Ukrainska Prawda“ rund 80 ukrainische Superreiche dokumentierte, die nach oder vor der Invasion die Heimat in Richtung Riviera verlassen hatten. Sein Team zeigte eine Welt aus Mega-Jachten, Luxusautos mit ukrainischen Kennzeichen und prunkvollen Villen – ein Kontrast, der scharf mit den Bildern aus den zerstörten Städten der Ukraine brach. Zu sehen war darin auch Jermolajew, wie er das Casino von Monte-Carlo verließ und in einen Bentley Flying Spur stieg, dessen Preis bei rund 300.000 Euro beginnt. Damals laut „Prawda“ auf Platz 45 der reichsten Menschen der Ukraine, lebte Jermolajew, einer der größten Bauträger seiner Heimatstadt Dnipro, seit Jahren in Monaco.

Viele der damals porträtierten „Elite-Flüchtlinge“, wie Tkatsch sie nannte, waren Vertreter der prorussischen Opposition oder pflegten als Geschäftsleute Kontakte nach Moskau. So auch Jermolajew, gegen den die Ukraine 2023 Sanktionen verhängte, wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten auf der von Russland annektierten Krim. Doch das „Monaco-Bataillon“ ist keine homogene Gruppe.

Teuerste Wohnung der Welt – und humanitäre Hilfe

Das wohl bekannteste „Mitglied“, Rinat Achmetow, ist nicht nur reichster Mann der Ukraine, sondern auch einer der größten privaten Unterstützer der ukrainischen Armee – genauso wie der Zivilbevölkerung. Über seine Holding SCM kontrolliert er Stahlwerke, Kohleminen und Energieunternehmen in der Ukraine. Auch der international bekannte Fußballclub Schachtar Donezk gehört ihm. Seine Unternehmensgruppe SCM, seine Stiftung und der Fußballclub zusammen stellten nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn umgerechnet rund 340 Millionen Euro für Armee, humanitäre Hilfe und Wiederaufbau bereit.

Noch mehr Geld gab Achmetow für Immobilien an der Riviera aus. Anfang 2024 kaufte er eine rund 2500 Quadratmeter große, fünfstöckige Wohnung im neuen Nobelviertel Mareterra in Monaco. Der Kaufpreis lag laut Bloomberg-Recherchen bei rund 471 Millionen Euro – der teuerste private Immobilienkauf der Geschichte. Keine zehn Kilometer weiter östlich, auf der Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat besitzt der ukrainische Milliardär bereits seit 2019 eine weitere Immobilie der Superlative – die rund 200 Millionen Euro teure historische Villa „Les Cèdres“, die einst dem belgischen König Leopold II. gehörte. Anders als Jermolajew lebt Achmetow an der Riviera nach eigenen Angaben nicht dauerhaft, sondern nutzt seine Residenzen dort eher als Rückzugsorte.

Auch Wiktor Pintschuk zählt zum „Bataillon“: Stahlmagnat, ehemaliger Abgeordneter, Schwiegersohn von Ex-Präsident Leonid Kutschma und einer der bekanntesten Philanthropen des Landes. Pintschuk pflegt seit Jahren enge Kontakte in den Westen und lud über sein „Jalta European Strategy“-Forum prominente Gäste wie Bill Clinton und Tony Blair ein – ein Netzwerk, das ihm in Kiew einerseits den Ruf eines „pro-westlichen Oligarchen“ einbrachte, andererseits Kritik wegen seiner Nähe zur alten Kutschma-Elite. Berichten zufolge hält er sich seit Kriegsbeginn nur zeitweise an der Côte d’Azur auf, betont aber, seine Programme für ukrainische Veteranen und Verletzte weiterzuführen.

Bestechung mit Nerzmänteln, 17 Millionen Dollar im Gepäck

Etwas anders sieht es bei den Brüdern Hryhorij und Ihor Surkis aus, die die Ukraine nach Recherchen der „Ukrainska Prawda“ zwei Tage nach Kriegsbeginn auf eine wenig ehrenhafte Art und Weise verließen – mit 17,6 Millionen US-Dollar Bargeld, die sie illegal im Gepäck ihrer zwei Luxus-SUVs aus dem Land gebracht haben sollen. Ihor Surkis ist seit Jahren Präsident des Fußballclubs Dynamo Kiew, Hryhorij Surkis war einst Chef des ukrainischen Fußballverbands und saß im Parlament.

Beide bauten ihr Vermögen in den 1990er-Jahren in der Energie- und Finanzbranche auf und sahen sich immer wieder mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Einer der kuriosesten Fälle: 1995 versuchten die Brüder, vor dem Champions-League-Spiel zwischen Dynamo und Panathinaikos Athen, den Schiedsrichter zu bestechen – mit zwei Nerzmänteln und 30.000 Dollar. Der Deal kam aber nicht zustande, Dynamo Kiew wurde am Ende für ein Jahr disqualifiziert. Berichten französischer Medien zufolge sollen die beiden Villen in den Hügeln über Nizza besitzen. Nach Kriegsbeginn hatten sie sich jedoch „Prawda“ zufolge im Monte-Carlo Bay Hotel & Resort einquartiert – in einem Apartment für rund 2 Millionen Euro pro Jahr.

Prominenter Europa-Gegner mit Villa an Europas teuerster Adresse

Politisch ist wohl der Fall Serhij Ljowotschkins am brisantesten. Ljowotschkin war als Leiter der Präsidialverwaltung unter Wiktor Janukowitsch eine der einflussreichsten Figuren der damaligen pro-russischen Regierung. Nach der Flucht Janukowitschs nach Russland infolge der Maidan-Revolution 2014 war er einer der führenden Köpfe der prorussischen und EU-skeptischen Partei „Oppositionsplattform – Für das Leben“. Die vom ukrainischen Oligarchen Wiktor Medwedtschuk, einem engen Vertrauten von Kremlchef Wladimir Putin, mitgegründete Partei wurde nach Beginn der russischen Vollinvasion verboten. Medwedtschuk wurde nach monatelanger Flucht festgenommen und später gegen 200 ukrainische Kriegsgefangene nach Russland ausgetauscht.

Ljowotschkin dagegen genießt sein Leben im „feindlichen“ Europa, und zwar an einer seiner teuersten Adressen. Nach Recherchen von „Ukrainska Prawda“ besitzt auch er eine Villa auf der Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat – allerdings eine deutlich bescheidenere als sein Nachbar Rinat Achmetow – so soll sie Berichten zufolge „nur“ 40 Millionen Euro kosten.

Einige wechseln ins „Dubai-Bataillon“

Die Recherche der „Ukrainska Prawda“ löste damals nicht nur eine Welle der Empörung aus, sondern auch Ermittlungen des Staatlichen Ermittlungsbüros. Die Behörde prüfte, ob Mitglieder des sogenannten „Monaco-Bataillons“ das Kriegsrecht umgangen oder mit Hilfe von Beamten illegal die Grenze passiert hatten. Größere strafrechtliche Konsequenzen für die prominentesten Namen blieben zwar aus. Seit der Recherche sind aber die Akteure stärker ins Visier von Medien, Behörden und der Öffentlichkeit geraten.

Wie viele ukrainische Exil-Oligarchen heute noch an der Riviera leben, ist unklar. Der ukrainische Botschafter in Frankreich, Wadym Omeltschenko, schätzt die Zahl auf noch 20 bis 30 – deutlich weniger als die rund 80, die Tkatschs Team 2022 dokumentierte. Einige hätten Dubai vorgezogen, andere seien zurückgekehrt oder hätten ihr Vermögen verloren, sagte er der französischen Presse. Tatsächlich prägte die „Ukrainska Prawda“ wenig später auch den Begriff „Batallion Dubai“ – für reiche Ukrainer, die sich in die Emirate absetzten.

Für viele der Verbliebenen ist das Leben an der Riviera nicht mehr so sorglos wie einst. Oligarchen, die ihren Reichtum gern zur Schau stellen, würden auf die Aufmerksamkeit einer kritischen Öffentlichkeit wohl gern verzichten. Nach dem Attentat auf Jermolajew dürfte auch die Frage der Sicherheit für den einen oder anderen eine größere Rolle spielen. Die goldenen Zeiten des „Monaco-Bataillons“ scheinen vorbei zu sein.

Quelle: ntv.de

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