Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 164 gestiegen. Es soll zudem fast 1.000 Verletzte geben. Zahlreiche Staaten, darunter Deutschland, boten Venezuela Hilfe an.
Nach zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist die Zahl der Toten nach Angaben der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez auf mindestens 164 gestiegen. Mindestens 971 Menschen wurden verletzt, wie Rodríguez im Sender VTV mitteilte.
Experten gehen von deutlich höheren Opferzahlen aus. Bei den Erdstößen stürzten zahlreiche Gebäude ein.
Rodríguez kündigte an, dass für den Wiederaufbau von Infrastruktur, Kranken- und Wohnhäusern ein Fonds geschaffen werde. Dieser solle ein Volumen von 200 Millionen Dollar haben und aus Mitteln des Internationalen Währungsfonds gespeist werden.
Stärkstes Beben seit mehr als einem Jahrhundert
Das erste Beben ereignete sich am Mittwoch um 18.04 Uhr Ortszeit, 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein.
Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag mehr als 150 Kilometer östlich vom Epizentrum. Am stärksten betroffen ist der Bundesstaat La Guaira, wo auch der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas und ein wichtiger Seehafen liegen.
Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Eine Modellrechnung der Behörde legte nahe, dass eine sehr hohe Opferzahl zu befürchten ist. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es gab demnach schon 20 Nachbeben. Es war das stärkste Beben in dem Land seit mehr als einem Jahrhundert.
Auswärtiges Amt: Bisher keine Informationen über deutsche Opfer
Aktuell gibt es noch keine Informationen über mögliche deutsche Tote oder Verletzte. Im Laufe des Tages solle zur weiteren Koordinierung der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zusammentreten. Die Mitarbeitenden der Botschaft in Caracas sind demnach wohlauf.
In der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts sei eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger in dem Land eingetragen, hieß es weiter. Die Zahl der in der sogenannten Elefand-Liste registrierten Menschen gibt nicht die tatsächliche Anzahl deutscher Staatsangehöriger im Land an, da Deutsche im Ausland keiner Meldepflicht unterliegen. Das Außenministerium rief dazu auf, sich in die Elefand-Liste einzutragen.
Venezuela gilt derzeit nicht als Reiseland, wegen der Sicherheitslage besteht seit Längerem eine Teilreisewarnung.
Deutsche Staatsbürger in Venezuela sind zu weiteren Vorsichtsmaßnahmen aufgerufen. In den Reise- und Sicherheitshinweisen des Außenministeriums wurden die Deutschen in dem Land unter anderem aufgerufen, sich mit den Verhaltenshinweisen des Deutschen Geoforschungszentrums für Erdbeben vertraut zu machen.
Internationale Hilfe läuft an
US-Präsident Donald Trump sicherte dem südamerikanischen Land schnelle Hilfe zu. US-Außenminister Marco Rubio erklärte kurze Zeit später, die Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg.
Auch andere Länder sagten sofort Hilfe zu. „Deutschland steht an der Seite Venezuelas und wird helfen“, erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz im Onlinedienst X. „Unsere Gedanken gelten den Opfern und jenen, die ihr Hab und Gut verloren haben.“ Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte, dass die Bundeswehr bis zu sechs Transportflugzeuge A400 M zur Verfügung stellen könne.
Königin Letizia erklärte, Spanien habe dem lateinamerikanischen Land Hilfe angeboten und warte nun auf den Beginn der Hilfsmaßnahmen, um sowohl bei der Rettung von Menschen als auch beim anschließenden Wiederaufbau helfen zu können, „was ebenfalls eine große Herausforderung sein wird“.
Die EU bot Venezuela ebenfalls Hilfe an. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus sei aktiviert worden „und wir sind bereit, unsere Unterstützung weiter zu verstärken“, sagte Hadja Lahbib, EU-Kommissarin für Krisenmanagement. Von der EU finanzierte Partner leisteten bereits vor Ort Hilfe, fügte sie hinzu.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf der Plattform X, es stünden 300 Rettungskräfte und Sanitäter sowie 50 Tonnen Hilfsgüter bereit, um nach Caracas gebracht zu werden. Luis Abinader, Präsident der Dominikanischen Republik, sagte, spezialisierte Such- und Rettungsteams der Streitkräfte würden in Kürze nach Venezuela aufbrechen.
Laut Venezuelas Präsidentin Rodríguez kündigten mehrere weitere Länder die Entsendung von Rettungsteams an, darunter Mexiko und Katar. Auch China und Brasilien boten humanitäre Hilfe an.
